Kretschmars Schattenlogbuch 00001
„Ein Schauspieler is ka Werkzeug. Und wenn scho, dann a empfindliches. Kloa, man kann an Hammer hart anpacken. Aber a Geige? Die braucht a G’spür.“
So oder so ähnlich hätt Kretschmar’s Großvater das gesagt. Und vielleicht hat er recht gehabt. Denn der Ton macht nicht nur die Musik – er macht auch die Menschen.
Ich hab in letzter Zeit oft nach’dacht. Über die feinen Risse, die entstehen, wenn man zu oft „funktioniert“. Über Proben, die sich wie Prüfungen anfühlen. Und über Sätz‘, die stechen wie schlecht geschliffene Requisiten. Es gibt Regie, die dich führt. Und Regie, die dich ent-führt.
Die di quasi in a Taxi setzt, ois „Schutzbefohlenen der Kunst“, und möglichst weit von dir söba, zum Flughof’n otransportiert.
Und manchmal merkt ma zu spät: Man hat si net weiterentwickelt – man hat sich verschliffen.
Aber vielleicht liegt da auch eine Wahrheit: Nicht jede Bühne ist ein Ort der Entfaltung. Manche sind nur Kulissen für die Überzeugung anderer.
Und trotzdem – ich steh noch da. Weil das Spiel stärker ist als das Spielchen. Und weil ich gelernt hab: Manchmal schützt einen die Rolle …auch vor der brutalen Wirklichkeit.