Kretschmar 1848 – Vom Wechsel

Da sinniert einer über’d Schulden …
I tät gern in der Lotterie g’winnen.
Net wegen der Villa. Net wegen dem Auto. I brauch a ka Yacht. I werd ja scho seekrank, wenn i z’lang in da Bad’wann‘ lieg.
Na.
I tät z’erst meine Schulden begleichen.
Und dann tät i dem Schicksal anschreiben lassen.
Denen, die mi all die Jahr‘ übersehn ham, tät i lauter Wechsel schenken.
Net zum Einlösen.
Zum Aufheben.
Für den Tag, an dem’s plötzlich draufkumman, dass’s mi eh immer g’schätzt ham.
Dann brauchens nur mehr in d’Schublad greifen.
Da liegt der Wechsel.
Mit Zinsen.
Denn des menschliche Gedächtnis is a sonderbare Bank.
Sie vergibt großzügig Kredite an die eigene Anständigkeit.
Und kündigt’s Gewissen, sobald’s wieder bergauf geht.
Und wissts was?
Falls i wirklich amal im Lotto g’winn …
… i glaub, i tät ma z’erst a guate Jaus’n kaufen.
Weil ma mit an leeren Magen die Menschheit sowieso net versteht.
Kretschmar, 1848 Uhr