Kretschmar 1848 – Eine unmögliche Eh‘
Eine unmögliche Eh‘.
Die Zeit is so flüchtig wor’n!
Ein gar flatterhaftes Wesen, dass‘ nie und nimma beim Geist, ihrem Gemahl, bleiben kann.
Und da Geist wiederum is so selbstgenügsam und stur, dass er’s mit der Zeit aa net aushalt‘!
Er müsst‘ andauernd mit ihr geh’n, würd‘ überall mitg’schleppt, wo er doch lieber ganz für sich in seinem eigenen Haus sitzt und des Treiben auf der Welt betrachtet.
Überhaupt bleibt er in letzter Zeit immer öfter z’Haus. Starrt heimlich d’Wand an. Fast schon wie seine Cousin‘, die Vernunft.
Die trifft ma öffentlich aa kaum mehr an.
Und aus der unmöglichen Eh‘ is natürlich a Kind hervorgangen: der Zeitgeist, der Schlingl. Von der Mutter hat er’s Flüchtige, vom Vater den Anspruch, ernst g’nommen zu werden. Hätt‘ also alles. Macht aber immer was anderes, – aus der Menscheit macht er sich an ganz’n Narr’n! Und wundert sich dann ungeniert:
„Was denken sich d’Leut nur dabei?“