Monolog eines Wiener Mahlzeit-Transporteurs
Mein Gott, wie tät ichs mir gern richten!
Dabei rufts Volk jetzt immer lauter die Politik solls ihnen richten! Die Wirtschaft, das Klima, die Preise … Kein Sorg‘, die Politik weiß immer wie sie‘s richtet, aber für sich. Ich kann mi no gut an die Zeit erinnern wo’s Volk die Politiker und Mächtigen g’richtet hat: hergricht‘. Hing’richtet. Und überhaupt erst, wenn’s was an’grichtet g‘habt ham.
Heut kommen’s vor’d Gerichte oft recht glimpflich davon … Und jetzt ruft’s Volk auf einmal nach der Politik wies Bauxerl nach’m Papperl!
„Wo sitzen der Herr Amtsrat? Im Garten darf ich richten? Sehr wohl, bitte gleich!“
Alles soll schön werden, ruhig und g‘mütlich. A Zukunft wolln‘s alle ham, wo’s doch alle grad am Weg sind die Vergangenheit in einem Anfall von kollektiver Selbstvergesslichkeit zu vergessen. Das Wirtschaftswunder, das‘ erst ermöglicht hat, warum‘s überhaupt auf der Welt sind, und von dessen übergroßer Herzenswärme wir ja heut noch klimatisch profitieren! Na, is das nicht wahre Nachhaltigkeit?
„Einmal heiße Liebe, aber mit eiskalten Himbeeren? Wie Sie wünschen, gerne!“
Sogar d’Eiszeit, die sie sich jetzt zurücksehnen, weil‘s aber a so heiß is, nichtwissend, dass’es Mammut und der Säbelzahntiger net viel übriglassen würden vom Aufbegehren des Moderne Menschen …
A klaner Kellner wie i, was kann der scho tuan, außer schwitzen und flitzen um a Schnitzel, dass immer teurer, größer und besser sein soll, fast wie sei großer Verwandter, das Sirloin-Steak.
Bestellt hamma selber, aber wenn’s serviert wird, war’s keiner.
„Ich hab die da oben net g’wählt“, heißt’s dann glei.
Doch. Auf der Speiskarten is scho des Richtige g’standen.
Und bei am Menü wird g’essn, was serviert wird.
Und net: a Menü, aber ohne … und dafür mit …
Die Rosinen wolln’s natürlich selber rauspicken. Na bitte.
Nur beim Kaiserschmarrn geht des schwer:
Da kriegst den Kaiser mit’m Schmarrn.
Aber nachher net sagen, Sie ham’s net bestellt
„Zahlen? Komm sofort, Gnädigste! Kollege drüben kommt gleich, ich richt’s ihm aus, gell!“
Das Trinkgeld besteuern‘s dir eh, obs jetzt mit der Karten oder bar zahlt wird ohnehin. Zum Glück sind Wirtshäuser gute Umsatzschleudern, zumindest bei uns, in der Stadt, sind‘s voll. G’essen und ‚trunken wird, als ob‘s Morgen nix mehr gäbert. Na, wer weiß, langsam glaubet ich selber … Und hernach wird g’jammert. Mir solls recht sein.
Solangs für a Gericht s’rechte zahlen, bleibt mir no die Hoffnung, dass ichs mir auch einmal z’recht richt ….
